Eine Perlengeschichte von Gunter Lorenz
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Ich denke, das viele Leser “jetzt” von mir eine Erzählung aus meinem Malerleben erwarten. Ich hätte auch sehr viele lustige und spannende Episoden zu bieten – ABER – ich will euch heute meine unglaublichste Geschichte hier wiedergeben, welche ich bis jetzt nur sehr wenigen Menschen anvertraut habe. 

S Dam 5EINLEITUNG 

Meine Künstlerkollegin, Ingrid Feichtinger (ingrid feichtinger.jimdo.com) und ich sind Ende Februar 2006 mit einem Touristenvisa in Western Australia (WA) eingereist und hatten keine Ahnung was uns hier erwartet. Das einzige was wir wussten, – und das war unser Ziel,- war Fremantle. Eine Künstlerstadt ca. 25 km südlich von Perth.

Wir hatten von Österreich aus ein Hotel in der Nähe des Flughafens gebucht- und von da an, wollten wir uns weiter durchschlagen. Wir sind bereits am ersten Tag ( mit einen fürchterlichen Jet-lag und bei hohen sommerlichen Temperaturen) mit dem Bus nach Perth gefahren und haben in Galerien, Künstleragenturen bis hin zu Rahmengeschäften uns durchgefragt. Aber auch Passanten auf der Strasse haben wir gefragt, ob sie uns weiterhelfen, da wir auf der Suche nach einer billigen Unterkunft sind, wo wir leben und arbeiten könnten.

Die Menschen hier in WA sind sehr freundlich und J E D E R den wir gefragt haben, hat uns einen Tipp gegeben. Die meisten haben uns empfohlen – es in Fremantle zu versuchen. 

Es war bereits der 2. Tag, wo wir uns in dieser Stadt, welche im englischen Kolonialstil erbaut wurde – durchgefragt haben. Bis wir die Künstleragentur “Artsource” fanden, die uns eine A4-Seite mit Namen und Adressen überreichte.

An oberster Stelle stand der Name … Greg James … (gregjamessculpture.com) und da seine Studio-Adresse ganz in der Nähe war, besuchten wir ihn als ersten. Ein sehr netter und höflicher Mann – Anfangs 60 – mit weissen Haar – der sich unsere Bitte sehr genau angehört hatte, kurz überlegte – und danach sagte: “Kommt in 2 Stunden wieder !“

Wir gingen in der Zwischenzeit in eines der vielen zahlreichen kleinen Cafes und warteten gespannt ab. Als wir wieder zurück kamen, empfing uns Greg schon vor seinem Studio und bat uns, in seinem “Ute” (kleiner Pickup) Platz zu nehmen – da er uns zu sich nach Hause fährt.

Kangaroo Shop 3Dort angekommen sagte er:” My home is your home and I have 2 Sheds. You can use the left Shed!” Dann ging er mit uns vor sein Haus, wo weitere zwei Autos standen – ein alter Jackeroo und ein Rolls Royce und wir sollten uns ein Auto aussuchen – mit dem Einwand – “But – the Rolls Royce is my little toy !”. Wir haben uns für den Jackeroo entschieden. (siehe Foto 1) Ab diesen Zeitpunkt (genau eine Woche nach unserer Ankunft ) hatten wir eine Unterkunft, ein Shed zum arbeiten UND ein Auto. 

Meine Künstlerkollegin Ingrid ist nach einem halben Jahr wieder zurück nach Österreich – ich aber – bin geblieben, bis mein Jahresvisum abgelaufen war. 

So und nun zu meiner Geschichte 

Vor den Weihnachtsfeiertagen fragte ich einen Bekannten – Namens Edward – ob er nicht für mich eine Arbeit wüsste, da sich mein Budget schön langsam zu Ende neigte – ich zu den Feiertagen nichts vorhatte – und ganz bestimmt nicht meinen Unterkunftsgeber Greg – bei den zahlreichen Familientreffen und vorweihnachtlichen Partys mit Freunden – mit meiner ständigen Anwesenheit auf die Nerven gehen wollte. 

Edward hatte für mich Arbeit. 

23.Dezember 2006 

Edward und ich hatten uns einen Treffpunkt ausgemacht, da mir die Adresse der “Baustelle” unbekannt war. Als ich dort angekommen bin, wartete Edward bereits auf mich.

JackerooAm Beifahrersitz befand sich ein ca. 14- jähriger Jugendlicher, den mir Edward als seinen Sohn vorstellte – ich aber seinen Vornamen nicht verstand, da sein Sohn in diesem Moment das Autoradio auf maximal Volume drehte, wo er sich bei mir schon sehr unbeliebt machte, weil ich ein bisschen lärmempfindlich bin. Kaum 5 Minuten später sind wir bereits an der Baustelle angelangt. Ein von außen ganz normales altes Haus – welches generalsaniert wurde. 

In den frühen 50er Jahren wurden ganze Stadtteile vorwiegend von österreichischen und deutschen Aussiedlern sehr einfach gebaut – d.h. es wurden keine Keller ausgehoben – oder eine Grundfestung angefertigt, sondern es wurden die Häuser auf ca. 50 cm hohe Holzstelzen und die Wände ohne Isolierung mit einfachen Rigips-Platten aufgebaut.

Dieses System hat den Vorteil, dass alle Rohrinstallationen aber auch die elektrischen Leitungen des Hauses „frei“ unter dem Haus verlegt werden können da die Wintertemperaturen kaum unter 5 Grad plus fallen. Heute wird mit “Limestone” (Sandstein) gebaut, welcher hier in WA sehr reichlich vorkommt /abgebaut wird und somit auch nicht sehr teuer ist.

In diesen Zustand befand sich bereits das Haus und meine Aufgabe war es, sämtliche Räume auszumalen, sowie die Sesselleisten und die Türstöcke zu lackieren. Den Part des Abschleifens und verkitten hatte Edward übernommen. 

Jene Person, welche den Auftrag zur Sanierung erhalten hat, war auch anwesend und wurde mir als “Gerry” vorgestellt. Wie ich mir meine Arbeit einteile, sei mir überlassen, sagte Gerry. Nur sollte es in 2 Wochen fertig sein. 

Kaum hatte ich begonnen, stand mir der Sohn von Edward ständig im Weg und als ich ihn einmal um Hilfe bat, sagte er: ”Do it your self !” Somit war meine Antipathie zu ihm vollkommen. 

Er war ein 14-jähriger “Halb Aborigine”. Seine Grossmutter war Aborigine. Bei Edward erkannte man kaum die Gene seiner Mutter – bei seinem Sohn umso mehr. Sein flaumiges Oberlippenbärtchen wechselte gerade ins schwarz und er befand sich mitten im Stimmbruch. Also piepste er manchmal – ein anderes mal kam schon der erwachsene Tenor über seine Stimmbänder. Meistens stand er nur rum und wenn er kritische Bemerkungen abließ, schenkte keiner von uns – ihm eine Aufmerksamkeit. 

Meine Aufmerksamkeit galt eher einen Raum, der sich im hinteren Bereich des Hauses befand. Jedesmal wenn ich bei jenem Raum nur vorbei ging, stellte sich ein ungutes Gefühl in meiner Magengegend ein. Somit vermied ich es so lange wie möglich – diesen Raum überhaupt zu betreten.

Der Raum war ca. 4 x 4 Meter gross – hatte einen offenen Kamin in der Mitte der linken Wand und ein Eckfenster auf der rechten Seite, wo man also auf die Terasse und auf die Strassenseite blicken konnte. Auch Edward und Gerry hielten sich lieber in anderen Räumen auf. 

Da meine Malerarbeiten rascher voran gingen als Edward’s Schleifarbeit und die Verspachtelungen auch eine Trocknungszeit benötigten – bat mich Edward, ob ich in dem „hinteren Raum“ nicht auch mit dem Abschleifen der Sesselleisten beginnen könnte. 

Als ich mich nur dem Eingang näherte, bekam ich wieder dieses beklemmende Gefühl, als ob der Raum mich abhalten würde, ihn zu betreten. Bei jedem Durchschreiten des Türstocks hatte ich das Gefühl als ob ich eine unsichtbare amorphe Konsistenz durchdringe.

Das Abschleifen der Sesselleisten erfordert natürlich eine knieende Haltung und immer erschien Edward’s Sohn, blickte auf mich herab wie auf einen Wurm und hatte dabei ein sarkastisches Lächeln im Gesicht. Ich war froh – als der Arbeitstag zu Ende war – wir wünschten uns gegenseitig Frohe Weihnachten und fuhren nach Hause. 

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Über Jeannette

Hallo & willkommen! Ich bin Viola Jeannette Riner und ich helfe Menschen dabei, ihr inneres Glück zu finden. Mein Motto ist „Folge deinem Herzen!“ – damit du das tun kannst, unterstütze ich dich, mit deinem eigenen Licht und Potenzial in Kontakt zu kommen. Ich bin Alpha Chi Consultant (ACC) und habe u.a. Ausbildungen in der Starlight-Essences-Therapie, Atlantischer Kristallheilung und Lotus Healing. Übrigens: „Viola“ ist mein spiritueller Name und bedeutet: „Die mit dem Herzschlag der Erde tanzt und mit dem Licht der Kristalle Heilung bringt“. Ich freue mich, dich kennenzulernen www.jeannetteriner.com

Kommentare

Eine Perlengeschichte von Gunter Lorenz — 7 Kommentare

  1. Lieber Günter
    Erstens ist die Geschichte echt ein Wahnsinn die einem Gänsehaut verschafft und auch Tränen weil diese so berührend ist.
    Und Zweitens kann ich dir berichten, dass wir uns täglich bei getaner Arbeit bei unseren Maschinen bedanken für ihre tolle Leistung. Jetzt sind wir gerade auf der Suche nach Namen für unsere Maschinen.

  2. Danke für diese Geschichte, bin tief berührt, was für ein Wunderwerk, dank auch an den Geist der Aborigines
    LG Erika

  3. Lieber Gunter!

    Deine Geschichte zeigt mir ganz klar, das DU am richtigen Ort lebs, wo Du mit Dir und der Natur im Einklang bist. Geniesse es weiterhin die Energie der Aborigenes in Dein Leben ein zu binden…. weiterhin tolle Erlebnis auf dieser Ebene!

    Glb Herzensgrüße Susanne

  4. Lieber Gunter
    wenn nichts in unserem Leben ist und alles um uns herum verändert ~ alles erschafft sich immer wieder aufs Neue ~ ein solches Erlebnis voller Vertrauen und Führung ist ein „Gespräch mit Gott“. Ich danke Dir für deine berührende Geschichte.
    Erschaffe es immer wieder NEU, sagt mir das.
    Ich Grüsse Dich aus Gran Canaria
    Jeannette

  5. Herzlichen Dank für diese packende, wundervolle Gänsehaut-Geschichte! Nachdem ich deine Bilder betrachtet habe, wundere ich mich gar nicht mehr über dein ausserordentlich feines „Gschpüri“. Nochmals ganz herzlichen Dank.
    Liebe Grüsse aus der Schweiz
    Annemarie

  6. Hallo Gülo,
    über Manu`s Freundschaftsanzeige bin ich auf deine Seite gekommen.
    Eine sehr schöne Geschichte.
    Kraftorte lassen dich zum höheren Selbst verbinden.
    So gelingt`s Dir, alle Antworten in dir selbst zu finden, auf diese zu Vertrauen und zu erkennen was wirklich von der höheren Warte kommt.
    Liebe Grüße aus Regensburg.

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